Geschichte
 



 


Ich bin das Salzmännchen aus dem Geschlecht der Hausgeister oder Kobolde, nicht zu verwechseln mit den emsigen hiesigen Höhlen- und Erdzwergen, den Querxen.

Ich kam hierher; kurz nachdem Zittau 1389 durch Karl IV. das Salzrecht verliehen bekommen hatte. Salz war damals auf Grund seiner Seltenheit so wertvoll, dass es manchmal auch als Zahlungsmittel genutzt wurde: Stadtbeamte erhielten im 16. und 17. Jahrhundert sogar teilweise ihren Lohn in Salz. Vor allem durch seine Verwendung als Konservierungsmittel war Salz ein begehrter Rohstoff und wurde mit hohen Zöllen und Steuern belegt. Das Salzrecht erlaubte den Zittauer Kaufleuten nicht nur mit dem kostbaren Gut zu handeln. Sie profitierten auch von den hohen Abgaben bei den notwendigen Salztransporten durch die Stadt. Mit einem dieser Fuhrwerke kam ich nach Zittau und fand in der neu gebauten Salzkammer mein Zuhause.

1511 wurde auf den Grundmauern der alten Salzkammer der Marstall erbaut und bis zum Jahr 1730 immer wieder erweitert, bis er schließlich mit acht Geschossen und dem Mansardendach das Aussehen erhielt, das wir heute kennen. Das Gebäude diente in jener Zeit nicht nur als Salzkammer, sondern wurde auch als Lagerhaus, Rüstkammer sowie als Marstall genutzt. Noch heute erinnert ein Pferdekopf über dem Portal des westlichen Haupteinganges daran. An der Nordseite des Gebäudes befand sich außerdem die Stadtwaage, auf der alle Handelsgüter gewogen wurden.

Als im 17. Jahrhundert die Bedeutung der Salzgewinnung abnahm, wurden fünf der Dachböden zum Kornmagazin umgebaut, um den vorhandenen Platz auch weiterhin effektiv zu nutzen. Als ob dieser Umbau mit all dem Lärm und Schmutz für mich nicht schon genug Umstände bedeutet hätte, kam es einige Jahre später zu noch größerer Aufregung. 1757 wurde der Marstall von einer zwölfpfündigen Kanonenkugel beschädigt, als Zittau im Siebenjährigen Krieg beschossen wurde, wobei auch mein Nachttopf zu Bruch ging. Für einen Menschen ist so ein Verlust wahrscheinlich eine Lappalie, aber für einen Kobold ist es wirklich schwierig, Nachtgeschirr in passender Größe neu zu beschaffen. Vor allem, da ich ja nicht einfach in ein Geschäft spazieren konnte ohne die Verkäufer zu Tode zu erschrecken.

Als im 19. Jahrhundert neben dem Hauptarchiv und dem Städtischen Fuhrbetrieb auch militärische Einheiten untergebracht wurden, fand ich das anfangs recht gewöhnungsbedürftig. Die Entwicklung nach 1945 war dann wieder mehr nach meinem Geschmack: Das Salzhaus wurde bis 1965 als Getreidespeicher genutzt, beherbergte außerdem auch Arbeits- und Diensträume der Stadt und bis 1994 weiterhin das Stadtarchiv. Im zweiten und dritten Obergeschoss wurden Wohnungen eingerichtet. Nachdem das Salzhaus von 1995 an leer stand, begann 1998 eine vier Jahre andauernden Rekonstruktion des Denkmalgebäudes. Nun wird auch endlich wieder Handel in diesen alten Mauern getrieben.

Menschen aus verschiedenen Städten treffen sich im Salzhaus, um das historische Ambiente und die Angebote der Gastwirte zu genießen oder in einem der Geschäfte einzukaufen und ich kann in all dem Trubel weiterhin ein wenig meinen Schabernack treiben.