Neues vom Salzmännchen
 



 


Hallo liebe Leser,

nun ist es schon ein ganzes Weilchen her, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Aber Sie wissen ja wie das ist: keine Leute, keine Zeit, keine Lust, Schreibblockade. Ja, auch als Kobold leidet man darunter, besonders unter den letztgenannten Punkten. Davon abgesehen gibt es auch immer wieder Zeiten, wo ich einfach nur privat bleiben möchte; Urlaub von der Öffentlichkeit sozusagen. Und Sie sollen ja auch nicht alles wissen, was ich so treibe.

Erzählen muss ich Ihnen natürlich unbedingt von den Dingen, die sich in dieser Zeit zugetragen haben oder die demnächst rund um mein „Wohnhaus“ passieren – das wirklich Wichtige sozusagen:
So haben wir zunächst einen neuen Mieter in unserem Salzhaus zu begrüßen, der im Herbst mit Sack und Pack bei uns eingezogen ist. Das ist der Zittauer Nachtwächter Jochen Kaminsky, der Besucher aus nah und fern bei Nacht durch die schöne Innenstadt des historischen Zittau geleitet und dabei launige und spannende Stadtgeschichten zum Besten gibt.
Sein Weg führt dabei auch am Salzhaus vorbei, was mir bestimmt demnächst viele neue Möglichkeiten bieten wird, ein richtiger Kobold zu sein. Ich bin zwar eher tagaktiv, aber mit genug Mocca aus der Bar und Proviant von Bäcker Kolbe oder aus dem „Alten Sack“ wird’s schon werden. Ich kann ja auch tagsüber schlafen, da bin ich flexibel.
Da hab ich meinen Schlafrhythmus im Laufe der Jahre immer den Umständen angepasst. Und dazu gab’s schon viele Gelegenheiten, in meinem langen Leben. Wissen Sie eigentlich, wie alt ich bin? Interessiert Sie nicht? Ich erzähl’s trotzdem. Ganz genau weiß ich’s selber nicht. Aber das Salzhaus wird 2011 500 Jahre alt und das entspricht so ungefähr auch meinem Alter. Da gibt’s natürlich einiges zu feiern – und das nicht nur einmal, sondern übers ganze Jahr verteilt. Kleine Vorschau gefällig? Am 1. Juni passiert zum traditionellen Spectaculum citaviae auch wieder einiges im und um's Salzhaus herum. Und meine Geschichten werden - immer mal wieder - einem richtigen Publikum zum Besten gegeben. Sozusagen bekomme ich als Dichter endlich mal eine öffentliche Lesung. Zeit wird’s ja... Und ich beteilige mich mit dem Salzhaus an der Ausstellung der Städtischen Museen Zittau „Für Krone, Salz und Kelch – Wege von Prag nach Zittau“. Muss doch mal schauen, ob ich in meiner Rumpelkiste noch passende Ausstellungsstücke dafür finde.

Der absolute Höhepunkt ist der große Salzhausball im Oktober... Obwohl der mir schon jetzt Sorgen bereitet: Denn wo soll ich Frack und Zylinder in meiner Größe herbekommen und vor allem: Wer tanzt mit mir, ohne auf mich zu treten? Naja, wird sich schon alles finden, ist ja noch bissel Zeit. Aber vormerken können Sie sich den Ball schon mal, ich tu’s auf jeden Fall.
Ist ja auch irgendwie mein Geburtstag und ich brauch mich gar nicht um eine eigene Feier kümmern, da die KuWeit schon alles organisiert hat.
Ich brauch nur hinzugehen und mitzuschwofen. Vielleicht kommt sogar mein Cousin aus dem Süden.
Das zum Kommenden, es wird also turbulent werden. Hurra!

Apropos turbulent. Hab ich Ihnen eigentlich schon von meinem Termin im Umwelt-Amt erzählt? Ich wollte mich unter Naturschutz stellen lassen, immerhin bin ich sehr selten geworden. Also eigentlich war es gar kein richtiger Termin, obwohl ich dem Mitarbeiter extra „Freitag 22.30 Uhr Salzmännchen“ in den Terminkalender geschrieben hatte. Aber er war nicht da. Überhaupt niemand war da. Wenn wir nur alle so arbeiten würden...
Das ganze Amt war leer und still und finster. Das hatte aber auch sein Gutes. Ich konnte zum Beispiel durch alle Räume spazieren und so dies und das ausprobieren. Zum Beispiel mal testen, ob alle Zettel aus dem Fach „erledigt“ in das Fach „unerledigt“ passen oder auch umgekehrt. Oder ob man Akten auch ganz anders ordnen kann, z.B. ganz durcheinander. Man kann! Nebenbei hab ich auch einige anstehende Anrufe für den einen oder anderen erledigt. Leider ging meist keiner ran oder die Leute klangen für meinen Geschmack viel zu unausgeschlafen und unfreundlich. Kann mir gar nicht vorstellen warum, denn höflich war ich und Kompetenz kann man einem Kobold doch auch nicht absprechen – und zwar in allen Dingen.
Danach bin ich noch zum Bauamt rüber und hab dort aus Versehen das eine oder andere technische Gerät ausprobiert: Bleistiftspitzer, Reißwolf, Fax, Kopierer, Kaffeemaschine und jede Menge mehr.
Eine gute Nachricht: Alle Bleistifte sind dort jetzt gespitzt – allerdings recht klein geworden. Und bei den Kugelschreibern ging dann der Spitzer kaputt. Ich kann nix dafür. Und leider sind mir auch einige Zettel vom Schreibtisch in den Reißwolf gerutscht und sehen nun aus wie Lametta. Recht hübsch anzusehen eigentlich. Hab sie aber trotzdem lieber in die Hausschuhe in der Ecke gestopft.
Das Fax hab ich leider nicht kapiert, Faxen hat’s jedenfalls keine gemacht, nur komische Geräusche. Das hatte ich mir lustiger vorgestellt. Aber wenigstens hab ich überall ordentlich Kaffee vorgekocht für Montag und nebenbei als Andenken mit dem Kopierer lauter Kopien von mir gemacht. Also von meinen schönsten Stellen... Was bin ich doch für ein rundum prächtiger Kerl, auch hinten. So hab ich zumindest einige Andenken an meinen Ausflug, die kann ich mir immer wieder ansehen.
Ich hoffe, wir sehen uns demnächst auch mal wieder im Salzhaus. Oder zumindest sehe ich Sie hoffentlich bald einmal wieder. Denn Sie werden mich wohl nur mit etwas Glück zu Gesicht bekommen...

Bis dahin wünsche ich Ihnen schöne Tage
Ihre Salzmännchen